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Eine ungewöhnliche Übung von DRK und Polizei Die Zusammenführung von Unverletzten und Angehörigen bei einem Großschadensfall wurde geprobt Ein lauter Schrei hallt durch die Aula des Ditzinger Schulzentrums in der
Glemsaue: „Da ist er wieder!“ Schon stürzen etwa vierzig Menschen, die vorher still auf den Bänken am Rand des Raumes gehockt hatten, auf den Mann in DRK-Dienstkleidung zu. Tumultartige Szenen folgen, laute Rufe „Wir lassen uns doch nicht verarschen“ oder „Sagt uns endlich was los ist“ mischen sich mit markigen Anpreisungen: „Ich bin Rechtsanwalt, ich werde gegen Sie vorgehen!“ Das geht so lange, bis die Polizeibeamten, die ebenfalls vor Ort sind, den Hauptunruhestifter in Gewahrsam nehmen. Und endlich kann der DRK-Mann seine Botschaft loswerden. Er ruft einige Namen auf, einzelne Personen lösen sich aus dem immer noch aufgeregten Knäuel und folgen ihm, während die anderen schimpfend, teilweise aber auch in sichtbarer Verzweiflung zurück bleiben.

Ein außen stehender Beobachter könnte schon besorgt werden, was hier wohl schlimmes los ist, zumal nun auch Männer und Frauen bei den vorher so lärmigen Menschen stehen, die lilafarbene Jacken tragen, auf denen groß „Notfallseelsorge“ steht. Und kaum jemand käme spontan auf die Idee, dass es sich hier „nur“ um eine Übung handelt.

Die Großübung „Abholer“ läuft gerade, eine Übung wie sie selten vorkommt.

Was man gerade erleben konnte, waren Angehörige von Insassen zweier S-Bahnen, die, so die Übungsannahme, zwischen Ditzingen und Weilimdorf zusammengestoßen waren. Aber diesmal wird nicht die Versorgung von Verletzten geübt, diesmal geht es um die Betroffenen, die zwar in den Zügen saßen, aber keine Verletzungen davontrugen. Sie werden am Verbandsplatz registriert und dann ins Schulzentrumm gebracht, wo sie von Angehörigen abgeholt werden können. Die Angehörigen wissen oft nicht, was mit ihren Partnern, Kindern, Verwandten oder Bekannten geschehen ist, entsprechend unruhig sind sie, voller Angst und deshalb und durch das Warten auch manchmal aggressiv.

Sie werden registriert und dann betreut, bis Nachricht über die jeweiligen gesuchten vorliegt. Der Abgleich erfolgt durch das Kreisauskunftsbüro (KAB) das unter seinem Leiter Gerhard Liemer die Abläufe probt. Rund ein Dutzend Helferinnen und Helfer sitzen an den Laptops im ersten Stock, geben ein, gleichen ab und melden die Treffer, so dass dann die Zusammenführung der Angehörigen erfolgen kann.

Ein weiterer Anlass für die Übung ist die EDV-technische Verknüpfung mit der Polizei, damit alle Daten nur einmal erfasst werden müssen. Deshalb ist auch die Sonderkommission Grossschadensfälle der Landespolizeidirektion mit ihrem Unterabschnitt Angehörigenbetreuung und der Spezialgruppe für die EDV-Verbindung dabei. Die technische Schnittstelle zur Polizei wird für den ganzen Regierungsbezirk Nordwürttemberg vom DRK-Kreisverband Stuttgart betrieben. Dessen Überregionales Kreisauskunftsbüro (ÜKAB) ist deshalb ebenfalls beteiligt. Unter der Leitung von Marcus Moroff arbeiten die Spezialisten in einem Raum eng mit den Polizeibeamten zusammen.

Die Übung ausgearbeitet haben Kreisbereitschaftsleiter Dietmar Müller, Dietmar Hein, der Leiter der vom DRK getragenen Notfallseelsorge und von Kriminalhauptkommissar Reiner Vogel.

Die Übungsleitung hatte der Zugführer der 3. Einsatzeinheit, Ralf Kotte, der insbesondere auch für das Raumkonzept, das Unfallbeteiligte und Angehörige bis zur Zusammenführung komplett trennt, um jedes Chaos zu vermeiden. Auch die 6. Einsatzeinheit unter ihrem Zugführer Gerhard Hahl war aktiv. Die Mimen kamen aus den anderen vier Einsatzeinheiten und wurden von der Schminkgruppe des Kreisverbandes, geleitet von Daniela Baumgärtner-Bauer vorbereitet.

Eine Übung dieser Art und in dieser Größe wurde noch nie durchgeführt.

Deshalb waren auch sehr viele Beobachter aus allen Bereichen der Sicherheitsorgane gekommen, an der Spitze Frau Dr. Jutta Helmerichs, Leiterin des Fachbereichs Psychosoziale Notfallversorgung / Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH) im Zentrum Krisenmanagement des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Insgesamt waren rund 100 DRK-Helfer, 30 Polizeibeamte und 30 Notfallseelsorger beteiligt.

Aus dem Ablauf, so das Resümee der Verantwortlichen, lassen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wie das Konzept, das wegweisend sein soll für andere Kreisverbände, weiter verfeinert werden kann.